Richtlinien für das Verhalten bei Mobbing-Problemen an der Sankt Petri Schule

(ausgearbeitet 2002, redigiert 2008)
 

Inhalt:

 
Generelle Haltung der Schule
 
Mobbing: Arten, Ursachen, Beteiligte
 
Vermeidungsstrategien
 
Maßnahmen bei Mobbing-Vorfällen
 
Stellungnahme der Elternvertretung
   

1. Generelle Haltung der Schule

  

Das soziale Klima an der Sankt-Petri-Schule ist von gegenseitigem Respekt geprägt.
 
Unsere eindeutige Haltung ist: Wir wollen an der Schule kein Mobbing haben.
 
Sehen oder vermuten wir, bzw. hören wir davon, dass möglicherweise gemobbt wird, so unternehmen alle - Lehrer, Erzieher, Eltern und Schüler - etwas dagegen.
 
  Unsere Mobbingpolitik lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
  
Wir tolerieren kein Mobbing.
 
Mobbing ist nicht das Problem eines Einzelnen, sondern betrifft die ganze Klasse/Schule.
 
Alle, sowohl Eltern als auch Lehrer, Erzieher und Schüler haben eine Verantwortung.
 
Bei auftretenden Problemen muss eine Lösung gefunden werden.
 
Wir beugen den Problemen aktiv vor.
 
Treten sie trotzdem auf, wissen wir, wie wir uns verhalten müssen: Mobbing-Vorfälle aufdecken und stoppen.
  
Mobbing ist kein Problem, mit dem Kinder allein fertig werden können, es ist ein Übergriff,
 
der entschlossenes Eingreifen Erwachsener erfordert.
  

2. Mobbing

  

Mobbing liegt vor:
  
Wenn ein einzelner Schüler oder eine Gruppe wiederholt über längere Zeit von einem oder mehreren anderen schikaniert wird,
 
wenn die Machtverhältnisse ungleich sind,
 
- wenn der Gemobbte sich nur schwer wehren kann und gegenüber dem oder denen, die mobben, mehr oder weniger hilflos ist.
 
- Mobbing kann indirekt vor sich gehen als Ausgrenzung oder Nichtachtung.
 
- Mobbing kommt meist dort vor, wo man sich notgedrungen aufhalten muss, z.B. an Schulen.
 
- Mobbing geht oft im Verborgenen vor sich.
  
Hänseleien:
  
Hänseleien sind im Gegensatz zum Mobbing kurzlebig und entstehen zufällig, spontan aus einer Situation heraus. Sie können gutmütig oder bösartig sein und an Mobbing grenzen. Es ist eine Frage der Einschätzung, wann die Grenze zwischen diesen beiden Phänomenen überschritten ist.
 
Hänseleien können gutmütig sein, wenn sie in positiver Atmosphäre vorkommen, allen Beteiligten Spaß machen; und sie können ein Mittel zur Entwicklung sozialer Kompetenz sein, indem sie dazu dienen, Grenzen zu testen und Rollen auszuprobieren. Hier gibt es keine festgelegte Rollenverteilung. Die Machtverhältnisse können wechseln.
  
Ursachen:
 
Ursachen für Mobbing können darin liegen,
  
- dass ein Schüler sich von Lehrern, Eltern oder anderen Schülern im Stich gelassen fühlt,
 
- dass er keinen Sinn in der Schularbeit sieht,
 
- dass er das Gefühl hat, auf diese keinen Einfluss zu haben,
 
- dass die an ihn gestellten Anforderungen keine Rücksicht auf seine Leistungsfähigkeit nehmen.
  
Mobbing-Opfer:
  
Prinzipiell kann jeder ein Mobbing-Opfer werden. Waren Kinder und Jugendliche eine längere Zeit hindurch dem Mobbing ausgesetzt, verlieren sie ihr natürliches Selbstwertgefühl. Generelle Kennzeichen sind die folgenden:
  
- Es kann sich um Kinder und Jugendliche mit geringem Selbstwertgefühl handeln. Sie sind eventuell unzufrieden mit ihrem eigenen Körper oder ihrem Aussehen.
 
- Es können Kinder und Jugendliche sein, die sich auf unterschiedlichste Weise von anderen unterscheiden - sowohl psychisch als auch physisch.
 
- Es können Kinder und Jugendliche sein, die wenig vertrauten Umgang mit ihren Eltern haben.
  
Ein Schüler, der längere Zeit dem Mobbing ausgesetzt war, ohne dass Erwachsene eingegriffen haben, verliert das Vertrauen, dass man sich auf Erwachsene verlassen kann. Deshalb vertraut sich das Opfer nicht leicht einem Erwachsenen an.
  
Es ist wichtig, dass wir Erwachsenen daran denken, die nonverbalen Anzeichen zu deuten, die etwas über die Relationen einzelner Schüler innerhalb einer Gruppe aussagen.
  
Mobbing-Täter
  
Prinzipiell kommt jeder in Frage, aber einige mobben häufiger als andere, nämlich: Kinder und Jugendliche mit geringem Einfühlungsvermögen und mangelnder Empathie für andere. Dabei muss man Ursache und Wirkung unterscheiden. Wenn man Mobber ist, geht man immer mehr auf Distanz zum Opfer, bis man glaubt, dass dieses keine normalen Gefühle hat und dass es verdient hat, entwürdigend behandelt zu werden. Und das Opfer bestärkt den Mobber durch sein Verhalten schließlich darin, dass das richtig ist.
  
Es gibt zwei unterschiedliche ‚Mobbertypen’:
  
- Das ‚schwache Kind’ und der ‚schwache Jugendliche’, die sich selbst stark machen, indem sie andere mobben. Sie haben Angst, selbst gemobbt zu werden, haben ein schwach ausgeprägtes Moralbewusstsein und sind oft von Haus aus repressiv erzogen. Sie zeichnen sich oft durch schwache schulische Leistungen aus.
 
- Das ‚starke Kind’ und der ‚starke Jugendliche’, die ein starkes Selbstwertgefühl haben, aggressiv auftreten und glauben, sie könnten alles und seien besser als die anderen. Solche Schüler haben in der Gruppe eine Führerposition, haben ein schwach ausgebildetes Moralbewusstsein und sind oft von Haus aus nachgiebig erzogen worden. Sie zeigen oft gute schulische Leistungen.
  
Diese beiden Mobbertypen sollten Anlass geben zu gründlichen Überlegungen darüber, wie man auf eine Weise eingreift, die der Art des Problems und der besonderen Eigenart der involvierten Personen gerecht wird.
  
Mobbing-Zuschauer:
 
Sie sehen zu, greifen nicht ein - häufig aus Furcht, selbst gemobbt zu werden. Bei ihnen verschiebt sich oft die Reizschwelle dafür, was man sich anderen gegenüber erlauben kann, und deshalb halten sie Mobbing mit der Zeit für normales Verhalten.
 
Mobbing kann sich leicht immer mehr steigern, weil alle Parteien ihre Rollen in dem sozialen Zusammenspiel akzeptieren und verstärken, ohne dass jemand deutlich mit Missbilligung reagiert.
  

3. Vermeidungsstrategien

  

- Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir in allen schulischen Zusammenhängen immer für ein gutes soziales Klima sorgen. Hier spielen sowohl Schüler als auch Eltern und Lehrer eine ungeheuer wichtige Rolle. Eltern und Lehrer sind Rollenmodelle für die Schüler.
  
- Eltern müssen ihren Kindern erklären, dass Mobbing unter keinen Umständen zu dulden ist, und sie müssen ihren Kindern erklären, dass dauernde Hänseleien ein Kind schwer verletzen können.
  
- Lehrer müssen darauf bedacht sein, das soziale Klima durch die Wahl der Unterrichtsaktivitäten und die zweckmäßigste Zusammensetzung von Gruppen zu fördern.
  
- Lehrer, Erzieher und Eltern sollen sich bemühen, den Kindern und Jugendlichen immer wieder klarzumachen, dass es erlaubt – und notwendig – ist, es den Erwachsenen zu sagen, wenn man weiß, dass Mobbing stattfindet; dass es kein Petzen ist, sondern im Gegenteil von Verantwortung und Solidarität zeugt. Sie müssen angeleitet werden, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden.
  
- Die Lehrer müssen sich Zeit nehmen für Gespräche darüber, wie es in den Pausen gegangen ist. Besonders in den unteren Klassen muss das regelmäßiges Thema sein.
  
- Die Lehrer müssen zusammen mit den Schülern eine Hausordnung formulieren, die dann in den einzelnen Klassenräumen aufgehängt wird.
  
- Die Lehrer werden ‚Adoptionsordnungen’ unter den Schülern einrichten, so dass ältere Schüler jüngere stützen. Das kann über den Schülerrat oder zwischen den Klassen geschehen.
  
- Lehrer und Schulleitung untersuchen die Möglichkeiten, Lehrer-Schülergespräche zu etablieren, um den Informationsaustausch bezüglich des sozialen und emotionalen Klimas zu verbessern.
  
- Lehrer und Erzieher werden versuchen, so weit wie möglich Elterngespräche am Telefon zu vermeiden. Gespräche von Angesicht zu Angesicht fördern ein gutes gegenseitiges Verständnis. So weit möglich werden sie mit beiden Eltern sprechen, wenn es um ernstere Probleme geht.
  
- Die Eltern sollen sich Gedanken machen, wenn ihre Kinder lustloser oder verschlossener werden oder sich ganz allgemein verändern. Schon das kann das einzige Anzeichen dafür sein, dass etwas nicht in Ordnung ist. Gemobbt zu werden ist mit großem Schamgefühl verbunden, weil man glaubt, dass man selbst daran schuld ist. Viele wollen ihren Eltern keinen Kummer damit machen, dass sie von ihren Problemen erzählen. Eltern sollen regelmäßig ihr Kind fragen, wie es ihm in der Schule geht und wie es mit den anderen auskommt. Eltern sollen sich in regelmäßigen Abständen ausreichend Zeit nehmen für ein Gespräch in gemütlicher Atmosphäre und sich nicht zufrieden geben mit flüchtigen Antworten.
  
- Alle Betroffenen müssen sich klar machen, dass es nicht nur eine Wahrheit darüber gibt, wie ein Mensch etwas erlebt. Die Erlebnisse sind real, sie müssen akzeptiert werden und erlaubt sein und können nicht zum Gegenstand von Bewertungen gemacht werden. Denn für ein Mobbingopfer bedeutet jede Bewertung des Erlebnisses eine weitere Demütigung.
  
- Lehrer und Erzieher müssen daran denken, dass sich hinter den verschiedenen Rollen, die Kinder und Jugendliche spielen, ganz andere Gefühle verbergen können als es den Anschein hat. Jemand, der dauernd hänselt oder auf sich aufmerksam macht, kann ein Mobbingopfer sein, das um seine Selbstachtung kämpft, indem er sich aufspielt gegenüber den anderen in der Klasse, die vielleicht im Verborgenen mobben. Die Anwesenheit eines Erwachsenen in der Klasse bewirkt, dass das Opfer eine Art Vergeltung wagt.
  
- Wir müssen außerdem auch alle daran denken, dass wir als Lehrer und Eltern wichtige Rollenmodelle für die Kinder und Jugendlichen sind. Die Art, wie wir uns aufführen, hat leicht Vorbildfunktion für unsere Kinder.
  
- Klassenteams (die Lehrer) erörtern mindestens ein Mal pro Monat die Stimmung in der Klasse.
  
- Die Schüler im Schülerrat erörtern auf Initiative des Vertrauenslehrers mindestens alle zwei Monate das Klima in den Klassen und in der Schule und klären ab, ob es ihrer Meinung nach Mobbing-Vorfälle gibt. Sie überlegen, ob sie einen Beitrag leisten können bei Initiativen zur Verbesserung des sozialen Klimas an der Schule, z.B. in Form von Tutorordnungen oder der Einrichtung von Freundschaftsklassen.
  
- Von der 0. bis zur 4. Klasse wird mit ‚Trin for Trin’ oder ähnlichen Materialien gearbeitet. Ziel ist, dass die Kinder lernen, Konflikte im Alltag zu lösen. Sie sollen lernen, gegenseitig ihre Gefühle zu zeigen und die Signale des anderen zu deuten.
  
- In den höheren Klassen gilt das Bemühen um eine gute soziale Kompetenz weiterhin als ein übergeordnetes Unterrichtsprinzip, das Bedeutung für den täglichen Unterricht haben soll. Wir sind uns bewusst, dass es wichtig ist, dass auch die dem Mobbing neutral gegenüber stehenden Schüler in entstandenen Konfliktsituationen eingreifen. Das können wir nur erreichen durch bewusste Arbeit mit den Schülern zum Thema Mobbing und dessen Konsequenzen. Sie sollen verstehen, was sich in Menschen rührt, die in Mobbing involviert sind. Dadurch können sie leichter die relevanten Symptome verstehen und angemessen reagieren.
  
- Die Klassenlehrer übernehmen es, die Langzeit-Vertretungen über unsere Anti-Mobbing-Pläne zu informieren.
  
- Die Elternpflegschaft erörtert auf ihren halbjährlichen Treffen, was sie zur Verbesserung des Klimas in den einzelnen Klassen beitragen kann. Es ist wichtig, soziale Aktivitäten für Schüler und Eltern zu arrangieren, damit man sich gegenseitig kennenlernt.
  
- Die Klassenlehrer und Elternvertreter der Klasse planen gemeinsam die Elternabende, so dass die Eltern sich auch gegenseitig auf neue und inspirierende Weise treffen.
 

4. Maßnahmen bei Mobbing-Vorfällen

 

Die Erwachsenen, Lehrer und Erzieher an der Schule haben die Pflicht, unverzüglich einzugreifen, wenn Mobbing-Vorfälle bekannt werden. Oft kann schnelles Handeln das Problem beseitigen, ehe es größer wird.
 
Die Eltern haben die Pflicht, es den Klassenlehrern mitzuteilen, wenn sie Anzeichen von Mobbing bemerken.
 
Bei Mobbing-Vorfällen gelten folgende Strategien und Lösungen:
 
- Lehrer und Erzieher achten auf eventuelle Mobbing-Anzeichen, machen in der konkreten Situation ihre Missbilligung deutlich und halten schriftlich fest, was sie sehen und hören.
 
- Fachlehrer wenden sich unverzüglich an einen der Klassenlehrer, der es übernimmt, die einzuleitenden Maßnahmen gegen das Mobbing zu koordinieren.