Sankt Petri Skole – Deutsche Schule Kopenhagen

 

Schulprogramm Beschreibung der Schule

 
Die Sankt Petri Schule in Kopenhagen wurde 1575 gegründet als „eine deutsche Schule, worin die Jugend schreiben und rechnen lernen kann“ (Christian IV., 1641) und ist somit die älteste deutsche Auslandsschule. Sie liegt mitten im Zentrum von Kopenhagen.
Schon im 19. Jahrhundert sind Dänisch und Deutsch gleichberechtigt. Dieser Aspekt der Begegnungsschule steht auch heute im Vordergrund.
Die Sankt Petri Schule ist eine dänische Privatschule und unterliegt der entsprechenden dänischen Gesetzgebung. Zudem ist sie Teil des Netzwerkes deutscher Auslandsschulen, in dem sie als älteste Schule eine besondere Stellung einnimmt. Als deutsch- dänische Begegnungsschule unterliegt die Sankt Petri Schule somit unterschiedlichen Schulrechtssystemen und genießt staatliche Förderung durch das Königreich Dänemark und die Bundesrepublik Deutschland. Auf Grund bindender Vorgaben des Sitzslandes Dänemark ist für Grund die Schule eine von deutscher und dänischer Seite akzeptierte Satzung maßgeblich, die sie als unabhängige Ausbildungsinstitution in Form einer Stiftung ausweist und die den Schulvorstand - die Sankt-Petri-Schulkommission - als oberstes und für die Leitung der Schule verantwortliches Organ festlegt.
Die Schule umfasst im Schuljahr 17/18 nach dänischer Zählung die 0. bis 9. Klasse, vergleichbar mit der 1. bis 10. Klasse nach deutscher Zählung. Es gibt wie im dänischen Schulsystem keine Niveaueinteilung nach der 4. Klasse. Es schließt sich die gymnasiale Oberstufe an.
 
Deutsch und Dänisch sind gleichberechtigte Unterrichtssprachen an der Sankt Petri Schule. Den Sprachen kommt an der Schule eine besondere Bedeutung zu.
Die Fächer Deutsch und Dänisch werden von muttersprachlichen Lehrern unterrichtet. Die Unterrichtssprache im Kernfach Mathematik ist auf allen Klassenstufen Deutsch. In den übrigen Fächern ist die Muttersprache des Lehrers Unterrichtssprache.
Alle Schüler nehmen von der 0. Klasse an am Dänisch- und Deutschunterricht teil. Die Schule bietet Schülern, die noch kein Dänisch sprechen, Unterricht in Dänisch für Anfänger, DSA an (dansk som andetsprog). Schüler mit dänischsprachigem Hintergrund erhalten Unterricht in DaF (Deutsch als Fremdsprache). Die durchgängige Sprachbildung wird durch Konzepte des DFU (Deutschsprachiger Fachunterricht) sichergestellt. Der Englischunterricht fängt als obligatorische Fremdsprache in der 3. Klasse an, außerdem bietet die Schule ab der 6. Klasse Französischunterricht als Wahlfach an. Wahlweise zum Französischunterricht können die Schülerinnen und Schüler Unterricht im Fach „Praktische Physik“ besuchen.
 
Die Schule pflegt aus geschichtlichen Gründen eine enge Zusammenarbeit mit der protestantischen Sankt Petri Kirche. Der Religionsunterricht ist nicht konfessionell gebunden, die Schüler der Schule gehören vielen unterschiedlichen Glaubensrichtungen an.
 
Am Ende der 9. Klasse legen die Schüler die staatlich anerkannte Zentralprüfung Folkeskolens afgangsprøver (FP9) ab. Seit dem Schuljahr 2007/2008 nehmen die Schüler der 9. Klasse auch an der Prüfung zum deutschen mittleren Schulabschluss, der Sekundarstufenprüfung I, teil. Seit Beginn des Schuljahres 2010/2011 hat die Sankt Petri Schule die gymnasiale Oberstufe mit den Klassen 10, 11 und 12 (1. bis 3.g).
 
Die 10. Klasse (1.g) wird im deutschen System als Einführungsphase betrachtet, die 11. und
12. Klasse (2. und 3.g) bilden die so genannte Qualifikationsphase. Ziele und Inhalte der Oberstufe entsprechen dem Begegnungscharakter der Sankt Petri Schule, dem engen Zusammenspiel zwischen deutscher und dänischer Sprache und Kultur.
Die gymnasiale Oberstufe der Sankt Petri Schule führt zur Deutschen Internationalen Abiturprüfung (DIA). Die DIA ist von der deutschen Kultusministerkonferenz entwickelt und vom dänischen Unterrichtsministerium als vergleichbar mit dem dänischen Abitur "Studentereksamen" anerkannt. Die Stundentafel und die obligatorischen Prüfungsfächer sind in einem Staatsvertrag der beiden Staaten festgeschrieben. Die Unterrichtssprachen an der gymnasialen Oberstufe sind Deutsch, Dänisch und Englisch. Die Prüfung gewährt unmittelbaren Zugang zu deutschen und dänischen Hochschulen, sowohl für naturwissenschaftliche als auch geisteswissenschaftliche Studienrichtungen. Darüber hinaus eröffnet die DIA den direkten Zugang zu Hochschulen in den USA, Großbritannien und in vielen anderen Ländern.
 
Zum Zeitpunkt der Erstellung des Schulprogramms (2017) unterrichten acht aus Deutschland vermittelte und von der ZfA (Zentralstelle für das Auslandsschulwesen) bezahlte Auslandsdienstlehrkräfte (ADLK) und 46 Ortslehrkräfte (OLK) aus deutschsprachigen Ländern und Dänemark an der Schule.
Die Zahl der Schüler liegt bei ca. 600 von der 0. bis zur 12. Klasse. Mehrheitlich wird die Schule von Schülern mit dänischer und deutscher Muttersprache besucht (54%). 26% der Schüler haben Deutsch als Muttersprache, 6% Dänisch, 14% haben eine andere Muttersprache. In der 0. Klasse beginnt die Schule mit drei Zügen, die bis zur 6. Klasse fortgeführt werden. In der 7. Klasse werden zwei neue Klassen bis zum Ende der 9. Klasse gebildet. Dabei unterstützt die Schule diese Zusammenlegung durch unterschiedliche pädagogische Maßnahmen wie eine gemeinsame Klassenfahrt, Teil- und Doppellehrerstunden und gemeinsame Aktivitäten.
Ein großes Anliegen ist die Steigerung der Attraktivität der Oberstufe, in der pro Jahrgang im Moment (2017) acht bis 14 Schüler unterrichtet werden. Dies wird erreicht durch Besuchstage, Informationsabende, Einrichtung einer Lounge für die Oberstufe, jahrgangsübergreifende Tutorengruppen, Oberstufenfeste und die Durchführung von Studienfahrten nach Paris, ins XLab der Universität Göttingen und ins englischsprachige Ausland. Zu Beginn der 10. Klasse findet zudem eine Intro-Tour als Kennenlernfahrt statt. In Zusammenarbeit mit Eltern werden außerdem Kontakte zu verschiedenen Institutionen in Kopenhagen geknüpft.
Der Schule ist es insbesondere ein Anliegen, die Abiturienten für ein Studium in Deutschland zu interessieren. Dazu finden regelmäßig Studien- und Berufsinformationsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit aus Deutschland und der dänischen Studienwahlberatung statt. An einem Berufsbilderabend informieren Eltern über ihre Berufe bzw. den Weg dorthin.
 
Die SFO (Schul-Freizeit-Ordnung) ist am Nachmittag ein freiwilliges Angebot an die Eltern, deren Kinder die 0. bis 3. Klasse besuchen, und damit Teil des gesamten pädagogischen Angebots der Sankt Petri Schule. Sie folgt der Zielsetzung der Schule in Bezug auf gleichberechtigte Vermittlung der dänischen und deutschen Sprache und Kultur.
Das Ziel der SFO ist es, ein pädagogisch qualitatives Freizeitangebot zu schaffen, das den Kindern die Möglichkeit des Spiels, der kreativen Beschäftigung, Bewegung, Ruhe und Gemeinschaft bietet. In der 4. und 5. Klasse besteht das Angebot, am Nachmittag den Freizeit- Klub zu besuchen.
 
Ein weiteres Angebot über den Unterricht hinaus bietet die Sankt Petri Musikschule. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, musikalische Interessen und Begabungen des einzelnen Schülers zu erkennen, zu wecken und zu fördern und die Motivation der Schüler durch hoch qualifizierten Fachunterricht zu stärken. Der Unterricht orientiert sich an den Lehrplänen des Verbandes Deutscher Musikschulen.
Die Präsentation der erworbenen Fähigkeiten bei zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen des Schulalltags der Sankt Petri Schule und auch im Rahmen der Sankt Petri Kirche zählt ebenso zu ihren Zielen wie die Talentförderung und die Stärkung der Freude am Erleben musikalischer Werke.
 
Die Schule arbeitet mit einer Vielzahl von deutschen, dänischen und deutsch-dänischen Institutionen zusammen. Besonders wichtig sind u.a. die Deutsche Botschaft, die Sankt Petri Kirche, das Goethe Institut, die Dansk-tysk Handelskammer, der Dansk-tysk Industri- og Handelsklub, das Kulturzentrum, der Dänisch-Deutsche Kindergarten und Dansk-tysk selskab.
 

Das pädagogische Qualitätsmanagement

 
Die Sankt Petri Skole – Deutsche Schule Kopenhagen fühlt sich der permanenten Qualitätsentwicklung verpflichtet. Als Teil des Netzwerks deutscher Auslandsschulen wird die Schule alle sechs Jahre einer umfassenden Bund-Länder-Inspektion (BLI) durch Vertreter der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) sowie der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) unterzogen. Innerhalb dieses Zyklus werden Rückmeldungen zu den Entwicklungsschritten durch Selbstevaluation, einen Bilanzbesuch sowie durch ein Peer-Review gegeben, das von eigens dafür ausgebildeten Lehrern anderer Auslandsschulen durchgeführtwird.
Im Verbund mit anderen Auslandsschulen der Region werden nach gemeinsamer Absprache der Schulleiter in jedem Jahr auf die Schulentwicklungsziele bezogene Regionale Fortbildungen durchgeführt, an denen jeweils zwei Lehrer der Schule teilnehmen können.
Ein von der ZfA bestellter Prozessbegleiter begleitet diesen Fortbildungs- und Entwicklungsprozess der Schulen. Die Erträge dieser Fortbildungen werden u.a. in schulinternen Lehrerfortbildungen multipliziert. Darüber hinaus besuchen dänischsprachige Lehrkräfte Fortbildungen im dänischen Fortbildungssystem. Die Schule selbst führt jährlich Fortbildungen in deutscher oder dänischer Sprache für das gesamte Kollegium durch, zuletzt lag der Schwerpunkt auf Fortbildungen zum Kooperativen Lernen und zur Sprachförderung (DaF, DFU, Sprachförderung in der Eingangsstufe, Differenzierung und DFU im Mathematikunterricht). Auch von dänischer Seite wird die Schule als deutsch-dänische Privatschule mehrmals jährlich von der Dänischen Schulaufsicht (Dansk Skoletilsyn) besucht. Hierbei geht es darum, die pädagogische und fachliche Arbeit, die im Unterricht geleistet wird, zu beurteilen im Vergleich zu der staatlichen dänischen Folkeskole. Die Schule erhält dann einen ausführlichen Bericht. Das Qualitätsmanagement innerhalb der Schule obliegt der Schulentwicklungsgruppe (SEG), der neben dem deutschen Schulleiter, der Viceskoleleder, die PQM-Koordinatoren, die Leiter der Abteilungskonferenzen der Sekundarstufe und der Grundschule, ein Vertreter der Schulkommission sowie Eltern- und Schülervertreter angehören. Die SEG erhält von der Schulleitung Aufträge zur Durchführung einzelner Schulentwicklungsziele. Sie stellt dann Projektaufträge an unterschiedliche Gruppen. Die Projektleiter der Gruppen geben in regelmäßigen Abständen in der SEG Bericht zum Stand der Entwicklung.
Im Schuljahr 2014/15 arbeiteten die SEG und der Ausschuss zur „Sankt Petri – Qualitätsreform“ parallel. Letzterer wurde gegründet, um zu überprüfen und festzulegen, welcheMaßnahmen in Anlehnung an die Folkeskolereformin Dänemark an unserer Schule von Bedeutung sein könnten. Er schloss seine Arbeit Ende 2014 ab. Die Neuerungen, Einführung des Fachs TMK = Trivsel-Motorik-Kreativitet / Wohlbefinden–Bewegung-Kreativität, Morgensamling, Lektiecafé (Hausaufgabenhilfe) und Veränderungen in der Stundentafel, wie Englisch ab der 3. Klasse und die Ausweitung des Musik- und Geschichtsunterrichts, wurden im Frühjahr 2016 umfassend bei Schülern, Eltern und Lehrern von der SEG evaluiert.
In der SEG wurde vor allem die Durchführung und Auswertung der umfassenden Schüler-, Eltern- und Lehrerbefragung (SEIS+, Selbstevaluation in Schulen) im November 2014 gesteuert und begleitet. Seitdem werden regelmäßig weitere auf spezielle Fragestellungen der Entwicklung abzielende Evaluationen durchgeführt, für die der Evaluationsbeauftragte der Schule Ansprechpartner ist. Dazu wird sowohl ein Instrument des schulischen Intranets als auch die Evaluationswerkzeuge genutzt, die die Plattform IQES bietet.
Die Ergebnisse der BLI (Bund-Länder-Inspektion), die im Februar 2015 stattfand, wurden genutzt, um die Schulentwicklung weiter voranzutreiben und zu systematisieren. Unterstützt von der Prozessbegleiterin wurde ein 3-Jahresplan erstellt, der sich vom SJ 15/16 bis zum SJ 17/18 erstreckt. Die Schwerpunkte liegen hierbei auf der Unterrichtsentwicklung mit den Themenfeldern Kooperatives Lernen, Teamarbeit im Kollegium, Feedbackkultur, Sprache und Inklusion.
Im Oktober 2016 wurde mit der Überarbeitung des Leitbilds begonnen, an das sich die Erstellung dieses Schulprogramms anschloss. Die SEG hat einen Leitbildtext entworfen, der von den unterschiedlichen Gremien kommentiert und im April 2017 der Schulkommission zur Beschlussfassung vorgelegt und von dieser beschlossen wurde.
 

Das Leitbild

 
Die vier Grundpfeiler des Leitbilds und des Schulprogramms betreffen die Bereiche Tradition und Zukunft, Trivsel (=Wohlbefinden), Sprache und Lernen.
 
Wir eröffnen Welten!
Wir sind eine deutsch-dänische Schule im Herzen von Kopenhagen, die beide Sprachen und Kulturen gleichberechtigt lebt und vermittelt. Wir haben eine 450-jährige Geschichte, sind die älteste deutsche Auslandsschule weltweit und haben historisch enge Beziehungen zum dänischen Königshaus wie der benachbarten Sankt Petri Kirche. Zugleich leben wir inmitten einer modernen, demokratischen Gesellschaft, die Teil ist eines gemeinsamen Europas. Wir sind eine internationale Schule, die die Vielfalt der Welt als Möglichkeit begreift.
Unsere Welt
Schule heißt Vertrauen – einem Vertrauen, dem wir uns Tag für Tag neu stellen. Bildung betrachten wir nicht als abstrakten Auftrag, sondern als konkrete Verpflichtung. Sie ist mehr als die Erarbeitung eines Pensums, sondern umfasst die ganzheitliche Entwicklung jedes Einzelnen inklusive seiner geistigen, musisch-kreativen und sozialen Fähigkeiten. Unseren Schülern möchten wir helfen, sich zu selbstbewussten, engagierten und kritischen Persönlichkeiten zu entwickeln.
Wir begreifen Schule als Gemeinschaft von Schülern, Lehrern und Eltern, die die Bedürfnisse des Einzelnen mit jenen der Gruppe verbindet. Lernen braucht Regeln und Freiheit, Spaß und Neugier, Respekt und Vertrauen. Es braucht einen verlässlichen Rahmen, innerhalb dessen jeder Einzelne gefördert und gefordert wird und seine Potenziale entfalten kann.
Hilfsbereitschaft und die Übernahme von Verantwortung sind uns wichtig. Unsere Toleranz endet dort, wo Intoleranz beginnt. Mobbing und Ausgrenzung haben bei uns keinen Platz.
Sprache als Schlüssel...
An der Sankt Petri Schule ist Sprache von zentraler Bedeutung. Sie ist der Schlüssel zur Welt, zu uns selbst und zueinander. Unser kulturelles Verständnis ist durch Sprache vermittelt. Sie fasst die Welt in Worte, lehrt uns Zwischentöne und Nuancen, erweitert unseren eigenen Horizont in der Begegnung mit anderen. Der deutsch-dänische Charakter der Sankt Petri Schule baut somit nicht alleine Brücken zwischen unseren beiden Kulturen und Gesellschaften. Er fördert die interkulturelle Kompetenz eines jeden Schülers und versetzt ihn in die Lage, in einer komplexen, multikulturellen, und globalisierten Welt zu navigieren.
...hinein in neue Welten
Neben sprachlicher Kompetenz legen wir Wert auf eine fundierte fachliche Bildung. Nur wer ein Thema durchdringt, ist imstande, es zu reflektieren und eine eigene Haltung zu entwickeln. Ausgangspunkt des Unterrichts sind Offenheit, Neugier und Abenteuerlust der Schüler. Unterschiedliche Arbeitsformen, Lernwege und Medien haben ihren natürlichen Platz. Die zentrale Lage der Schule ermöglicht die regelmäßig